Amrit und Tartus
Die Stadt Amrit liegt im Westen Syriens an der Mittelmeerküste im Distrikt Tartus, der viele verschiedene Naturhäfen bietet und somit im Altertum einen idealen Ausgangsort für die Schifffahrt darstellte. Amrit liegt 8 km südlich der Stadt Tartus und war bei den Römern auch unter dem Namen Marathus bekannt. Die Stadt wurde wahrscheinlich im dritten Jahrhundert vor Christus gegründet und war auch schon Alexander dem Großen ein Begriff. Das könnte nicht zuletzt daran liegen, dass Amrit zu seiner Zeit eine der größten Städte des Östens war. Dafür spricht auch, dass in Amrit Münzen geprägt wurden, was ein Anzeichen dafür ist, dass die Stadt eine wichtige wirtschaftliche Rolle gespielt haben muss. Kontrolliert wurde die Stadt von der Insel Arwad aus, die im Mittelmeer etwa 2,5 km von der Küste entfernt liegt.
Nekropole und Wassertempel
Für die Phönizier hatte Amrit eine besondere Bedeutung, weil sie eine Nekropole, also eine Totenstadt, ist. Das bedeutet, dass sie eine größere Begräbnis- oder Weihestätte bildet. Daher verwundert es nicht, dass heute noch vor allem Grabanlagen besucht und besichtigt werden können. Der Wassertempel fasziniert viele Archäologen, weil er als ein sogenanntes Quellheiligtum fungiert. Die Anlage ist ca. 56 m lang und ca. 50 m breit und wird auf das fünfte oder vierte Jahrhundert vor Christus datiert, obwohl viele Forscher davon ausgehen, sie könne noch viel älter sein. Im Zentrum des Heiligtums befindet sich bis heute ein sorgfältig errichteter Steinaltar, der zu seiner Zeit evtl. dem Gott Melkart geweiht wurde, der als Schutzgott der Schifffahrt galt. Außerdem könnte es eine Funktion als Örakel inne gehabt haben. In Amrit kann man 1,5 km südlich des Wassertempels zwei weitere Grabanlagen besichtigen. Ihre Grabkammern sind der Öffentlichkeit zugänglich und können bei Führungen besichtigt werden. Für den interessierten Urlauber empfiehlt sich eine ausreichende Beleuchtung und man sollte auch keine Angst vor Schlangen haben. Beliebte Fotomotive innerhalb der Grabanlagen sind die steinernen Grabtürme und die Grabnischen.
Amrit / Tartus | © Dario Bajurin - Fotolia.com
Tartus und die Insel Arwad
Die bereits erwähnte Stadt Tartus liegt ebenfalls an der syrischen Mittelmeerküste und ist die Hauptstadt es gleichnamigen Distrikts. Sie ist die zweitgrößte Hafenstadt des Landes und befindet sich gegenüber der Insel Arwad. Tartus wurde wahrscheinlich von Kreuzfahrern gegründet und gelangte 1102 in den Besitz von Raimond de Saint Gilles, dem Grafen von Toulouse. Er hatte die Stadt erobert und sicherte seinen neuen Besitz durch den Bau einer Zitadelle, die aber 1152 von Emir Nur ad-Din erobert wurde. Nach nur drei Jahren konnte Balduin III. Tartus wieder zurückerobern und übergab die Festung dem Templerorden, welcher sie zu einer gewaltigen Festung ausbaute. Wenn man heute Tartus besucht, kann man noch die Ruinen dieser Festung sehen, ebenso wie die Ruinen der damaligen Stadtmauer.
Die Kathedrale Notre-Dame de Tortosa gilt als eine der schönsten Kirchen der Kreuzfahrerzeit und vereint den gotischen und den romanischen Stil. Sie trägt ihren Namen in dieser Form, weil Tartus bei den Kreuzfahrern auch unter dem Namen Tortosa bekannt war. Die Stadt wurde zur wichtigsten Niederlassung der Templer in Syrien. Ein beliebtes Ausflugsziel außerhalb der Stadt ist die Insel Arwad, die nur 570 m lang und 360 m breit ist. Zudem ist sie die einzige Insel Syriens und hat eine osmanische Festung als Stadtzentrum. Man gelangt zum Beispiel mit einem Motorboot innerhalb einer Viertelstunde auf die Insel und kann sich dann den ganzen Tag dort aufhalten. Die Hin- und Rückfahrt kostet insgesamt umgerechnet weniger als einen Euro. In dem gleichnamigen Fischerdörfchen überwiegen kleine, verwinkelte Gassen, die zu Erkundungstouren einladen. Besonders für Familien eignet sich ein Ausflug nach Arwad sehr gut, da es hier keine Autos gibt und die Kinder deshalb ungestört herumtoben können. Nach einem Tag, an dem man sich in die Zeit der Kreuzfahrer zurückversetzen konnte, wird die Rückfahrt angetreten und man kehrt zurück nach Tartus.