Euphrat-Staudamm Hafiz al-Assad

Der Euphrat-Staudamm wurde nach dem syrischen Präsidenten Hafiz al-Assad benannt und befindet sich im Norden Syriens, rund 35 km westlich der Stadt Ar-Raqqa und ungefähr 120 km östlich der Stadt Aleppo.



Struktur des Euphrat-Staudamms

Der Euphrat-Staudamm ist ein Erdschüttdamm mit einer Höhe von 60 Metern und einer Länge von 4,5 Kilometern. Der Bau kostete 340 Millionen US-Dollar und 62.000 Bewohner mussten aus 59 Dörfern umgesiedelt werden, als der Stausee geflutet wurde. Mit acht Kaplan-Turbinen kann eine Kraftwerksleistung von 800 – 1000 Megawatt erzielt werden und Strom bis nach Aleppo, in die bevölkerungsreichste Stadt Syriens, geliefert werden. Mit einem Bauwerksvolumen von 46 Millionen m3 handelt es sich um einen der fünfundzwanzig größten Staudämme der Welt. Bei Vollstau bedeckt die Wasseroberfläche des Sees 610 bis 817 km2 und er bietet Speicherraum für bis zu 11.900 Millionen m3 Wasser.

Euphrat in Syrien
Euphrat in Syrien | © Konstanze Gruber - Fotolia.com

Hintergrund und Geschichte

Geschichtlich betrachtet war der Euphrat-Staudamm unausweichlich. Bereits zu Zeiten Alexanders des Großen gab es Projekte zur Flussregulierung des Euphrat, um die jährlichen Überschwemmungen nach der Schneeschmelze im Taurus abzufangen und um die Flächen entlang des Flusses bis zur irakischen Grenze landwirtschaftlich nutzbar zu machen. Diese Pläne wurden im 20. Jahrhundert durch verschiedene Verträge mit Westdeutschland (1960) und der Sowjetunion (1965) konkretisiert. Zwischen 1968 und 1973 wurde dieser Staudamm mit finanzieller und technischer Hilfe der Sowjetunion gebaut. Insgesamt arbeiteten in den 1970ern bis zu 12.000 Syrer und 900 russische Techniker an dem Staudamm.

Syrien sollte dadurch nicht zuletzt zum Selbstversorger in der Elektrizitätsgewinnung gemacht werden. Obwohl ein 250 Meter langes Überlaufbauwerk mit zwei Öffnungen zum Schutz vor unerwartet hohen Wasserständen dient und es sich um den größten See Syriens handelt, kann er aufgrund der Wasserknappheit in der Region, meist nicht vollständig aufgefüllt werden. Deshalb deckt der Komplex „nur“ 60% des syrischen Energiebedarfs. Die Wasserknappheit darf jedoch nicht nur dem Klima zugeschrieben werden, sondern wird auch durch den 1992 eröffneten Attatürk-Staudamm in der Osttürkei bedingt. Vom Oberlauf des Euphrat ist es der Türkei dadurch möglich, die Wasserzufuhr nach Syrien zu regulieren und politisch Druck auszuüben. 1974/75 führte der Euphrat-Staudamm außerdem zu einem Konflikt mit dem Irak, der sich von der Wasserzufuhr abgeschnitten fühlte. Dieser Konflikt konnte durch sowjetische Intervention beigelegt werden.


Archäologische Notgrabungen

Dem syrischen Drang nach Unabhängigkeit fielen beim Bau des Staudamms viele Dörfer, aber auch viele prähistorische Denkmäler zum Opfer. Reste der römischen Kommandantur von Barbalissos, dem Sterbeort des Soldatenheiligen Bacchos, sind heute kaum noch erkennbar und nur mithilfe der UNESCO konnten vor der Flutung des Euphrat-Staudammes 1973-76 einige Notgrabungen stattfinden, die beispielsweise die bedeutende Handelsstation Emar aus dem vierten Jahrhundert vor Christus bewahrten. Gleichzeitig konnte die Festung Qal'at Ja'bar am linken Ufer des Stausees gerettet werden. Die ehemals Täler überblickende Festung befindet sich heute auf einer Insel im Stausee, die durch einen künstlichen Weg mit dem Ufer verbunden ist. Der Staudamm generiert die bedeutendste Trinkwasserversorgung Syriens und unterstützt darüber hinaus die Fischerei des Landes.