Ruinen von Anjar
Die Ruinen von Anjar befinden sich 58 Kilometer südöstlich von der Hauptstadt Beirut. Die Grenze zwischen Syrien und dem Libanon ist nur wenige Kilometer entfernt. Zudem liegen die Ruinen am Fuße des Antilibanongebirges. Die Ruinen von Anjar gelten als eine der wichtigsten Ausflugsziele in Syrien, Libanon und Umgebung, da sie sich von allen anderen archäologischen Ausgrabungsstätten deutlich unterscheiden.
Historischer Hintergrund
Während sich bei den meisten die verschiedenen Herrschaftsschichten und Zeitfenster überlagern, sind die Ruinen von Anjar ausschließlich der Herrschaftszeit der Umayyaden zuzuordnen. Diese regierten in der Zeit um 700 n. Chr. Die Herrschaftsform der Umayyaden gilt heute als die erste vererbte Dynastie in der Historie des Islam. Für ihre besonderen Fähigkeiten des Regierens und des Verwaltens zeugen die Ausmaße des Reiches vom so genannten Hindu Tal bis in den Süden von Frankreich. In der Zeit von 705 n.Chr. bis 715 n.Chr. ließ Walid I. die Stadt Anjar errichten. Walid I. war der Sohn von Abd-el Malik, einem Kalifen.
Ruinen von Anjar | © Eusebius - Fotolia.com
Entdeckung der Ruinen
Nach der Errichtung wurde Anjar schnell bekannt, denn die wichtigsten Handelsstraßen zwischen Damaskus, Baalbek, Homs, Beirut in Richtung Süden kreuzten sich in Anjar. Lange Zeit blieben die Ruinen unentdeckt, erst im Jahre 1943 wurden diese unter alten Sümpfen und unter dicht verzweigten Pflanzen ausgegraben. Zypressen und Eukalyptusbäume lassen die Ruinen heute wie in einem großem Garten erscheinen. Um einen Eindruck von der Größe von ca. 0,115 qkm zu erhalten, sollte man zu Beginn der Besichtigung eine Fahrt um die einstige Stadtmauer unternehmen. Die Stadtmauern im Norden und im Süden haben jeweils eine Länge von 370 Metern, die im Osten und Westen von 310 Metern.
Zudem werden die Ruinen von Stein- und Lehmwällen umgeben, die zum Teil acht Meter hoch und zwei Meter breit sind. Die Außenseiten bestehen aus schweren Ziegelstein, während die Innenseiten mit vielen kleinen Steinchen durchsetzt sind. Von allen vier Außenseiten ( Norden, Süden, Osten, Westen) führen jeweils drei Aufgänge zum Hauptgebäude hin. Zum Schutz der Einwohner wurden zudem vier große Tore erbaut. Zwei Tore liegen sich jeweils gegenüber und bilden daher die Cardo Maximus und Decumanus Maximus Achse von Nord nach Süd bzw. Ost und West. Die Befestigungsanlagen wurden außerdem von insgesamt 40 Türmen verstärkt. Über 60 Inschriften und Wandmalerein befinden sich an der Westmauer und können heute besichtigt werden. Die Besucher erreichen die Ausgrabungsstätten über das einstige Nordtor.
Cardo Maximus
Danach sollte man den Weg zum Cardo Maximus einschlagen, um zu den bedeutendsten Ausgrabungsstellen zu gelangen. Der Weg wird von rekonstruierten Handelshäusern geprägt. Eines dieser bedeutsamsten Gebäude ist der Große Palast. Als Besucher kann man sich die Ausmaße auf dem 40 qm großen Hof sehr gut vorstellen. Derzeit wurde nur eine Palasthälfte liebevoll restauriert. Heute begeistert die Besucher vor allem der Kontrast der Ruinen von Anjar mit den schlanken Säulen und beeindruckenden Arkadenbögen und die Lage am Fuße des Antilibanongebirges. Die Ruinenanlage kann täglich besichtigt werden. Für das leibliche Wohl sorgen Restaurants, die typisch libanesische und syrische Speisen anbieten. In Anjar selbst gibt es keine Hotels, im 5 Kilometer entfernten Shtaura stehen diese zur Verfügung.
Beit el Dine Palast
Ein weiterer sehr beliebter Ausflug führt zum Beit el Dine Palast. Dieser ist 17 km südlich von Beirut gelegen. Arkaden, Springbrunnen und Marmormosaike prägen den Palast und zeigen viele interessante Exponate aus der Geschichte des Landes. Die Ortschaft Deir al Kamar sollte ebenfalls auf dem Ausflugsprogramm stehen. Hier lohnt sich vor allem die Besichtigung der Fakhreddine Moschee. Diese Moschee wurde im Jahre 1493 erbaut und gilt daher als die älteste, noch existierende Moschee im Libanon.