Krak des Chevaliers

Ein herausragendes und symbolträchtiges Bauwerk der Kreuzritterzeit ist der Krak des Chevaliers in Syrien. Neben der vorgenannten Schreibweise gibt es außerdem noch die Bezeichnung Crac des Chevaliers. Die Bezeichnung Crac leitet sich vermutlich aus dem Altsyrischen ab und bedeutet soviel wie Festung. Denkbar ist aber auch die Herleitung aus dem Griechischen, wo charax für Wall oder Pfahlwerk steht.




Zwischen Alawitengebirge und Libanongebirge

Mächtig und imposant thront der Krak de Chevalier auf einem Ausläufer des Alawitengebirges. Dabei beherrscht die Burg das Tal zwischen Alawitengebirge und Libanongebirge. Diese Senke bildete schon seit dem Altertum eine wichtige Handelsstrecke zwischen dem Landesinnern und der Küste. Wer die Festung beherrschte, herrschte auch über Handel und über die militärische Sicherheit in der Gegend zwischen Homs und Tripolis. Gemeinsam mit der Festung Akkar, die am Rande des Libanongebirges liegt, und einer Anzahl weiterer Forts und Türmen stellte der Crac des Chevaliers ein wirkungsvolles Verteidigungssystem dar.

Krak des Chevaliers
Krak des Chevaliers | © pascal bierret - Fotolia.com

Der erste Vorgänger der Burg war eine Befestigungsanlage namens Hisn a-Akrad, die der Emir von Homs im Jahre 1031 auf dem Berg hatte errichten lassen. Als 1099 der Kreuzritter Raimund von Toulouse nach Jerusalem in den Kreuzzug aufbracht, besetzte er die Burg und blieb für 10 Tage hier anwesend. Den Belagerungsversuchen von Bertrand von Saint-Gilles konnte Hisn a-Akrad erfolgreich trotzen. 1110 wurde die Burg jedoch vom normannischen Heeresführer Tankred von Tiberias eingenommen. Der nächste Besitzer der Burg, Graf Raimund von Tripolis, konnte die Burg nicht mehr halten und übergab sie im Jahre 1142 an den Johanniterorden. Wie die Burg damals aussah, ist nicht überliefert. Es haben sich auch keine baulichen überirdischen Reste erhalten.


Neubau nach Erdbeben

1157 und 1170 verursachten zwei Erdbeben schwere Zerstörungen an der Burg, worauf hin man ab 1170 mit umfangreichen Bauarbeiten begann. Im Prinzip entstand darauf hin ein kompletter Neubau, denn die Erdbeben hatten die Anlage vollends verwüstet. Die neue Burg bestand aus einer Kapelle, einem Hauptturm, einem Torgebäude und einer Ringmauer mit umlaufender Halle. Im Osten war eine Vorburg vorgelagert. Erstaunlicher Weise verfügte die Anlage schon damals über einen Wassergraben.

Wer die Festung beherrschte, herrschte auch über den Handel und die militärische Sicherheit in der Gegend zwischen Homs und Tripolis.

Nachdem die Burg 1201 und 1202 erneut von Erdbeben heimgesucht worden war, wurde die Anlage umfassend ausgebaut. Die westliche Seite der Kernburg wurde verstärkt und die dort befindlichen Türme zu Rundtürmen ausgebaut. Außerdem wurde als Erdbebenschutz ein Talus erbaut und dien äußere Zwingmauer hochgezogen. Die Südseite wurde mit Mauerstärken von bis zu acht Metern besonders stark befestigt. Zur Sicherung der Auffahrtsrampe diente eine ein Fünfeck-Turm aus großen Bossensteinen. Vermutlich dauerten all diese Bauarbeiten nur wenige Jahre. Um die Mitte des 13. Jahrhunderts entstand ein im gotischen Stile gestalteter Saalbau. Die Herrschaft der Johanniter auf Krak des Chevaliers hatte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts ihren Höhepunkt erreicht. Baumaßnahmen der Folgezeit waren eher primitiver Art und verdeutlichen den beginnenden Niedergang der Johanniterherrschaft auf dieser Anlage.

Krak des Chevaliers - Blick ins Tal
Krak des Chevaliers | © marvin - Fotolia.com

Belagerung der Burg

Im Jahre 1267 wurde die Burg von Sultan Baibars angegriffen. Es gelang ihm, mehrere Befestigungsanlagen der näheren Umgebung zu bezwingen. 1271 belagerte er den Krak des Chevaliers. Durch die Kampfhandlungen wurde die Burg an einigen Stellen beschädigt. Im März schließlich wurde die Burg eingenommen, und im April ergaben sich die Johanniter und durften unbeschadet abziehen. Schnell beseitigte man die Schäden der Belagerung, was sich noch heute sehr gut nachvollziehen lässt. Noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Krak des Chevaliers ununterbrochen militärisch genutzt. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts errichteten Einheimische ein kleines Dorf in der Anlage. Da die riesige Burg eine solch immense Ausstrahlung hat, wurde sie im Jahre 2006 in die Liste des UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen.