Baalbek im Libanon
Die libanesische Stadt Baalbek befindet sich etwa 90 Kilometer nordöstlich des Flughafens Beirut. Der Name Baalbek bedeutet "Stadt des Baal", was sich auf Baal, den Sonnengott des Altertums, bezieht. Baalbek liegt 1.150 Meter über dem Meeresspiegel am Nordrand der Bekaa-Ebene, zwischen dem Libanongebirge und dem Antilibanongebirge und ist von Süden her über eine gut ausgebaute Straße erreichbar. Die zirka 70.000 Einwohner zählende Stadt ist von den zwei Flüssen Litani und Orontes umgeben, welche diesen Teil der Hochebene bewässern und ihn zum ertragreichsten Obst- und Gemüseanbaugebiet im Libanons machen. Auch das milde, feuchte Klima in der Region um die Stadt Baalbek sorgt für eine üppige Vegetation in diesem Gebiet und lässt einen grünen Gürtel rings um die Bekaa-Ebene entstehen. Der fruchtbare Boden brachte der 5000-jährigen Stadt schon in der Antike Wohlstand und Reichtum.
Das antike Baalbek wurde auf einem Hügel errichtet, der bereits im dritten Jahrtausend v. Chr. von den Phöniziern besiedelt war. Später bauten hier die Araber, in Form einer Tempelanlage, ein riesiges Heiligtum für den Gott Baal. Im Jahre 15 v. Chr. gründeten die Römer hier eine Siedlung für Kriegsveteranen. Aufgrund dessen, dass sie den Wettergott Baal mit ihrem Sonnengott Helios gleichsetzten, nannten die Römer die entstehende Stadt Heliopolis (Stadt des Sonnengottes). In den folgenden Jahren bauten Sie die Tempelanlage auf dem Hügel aus und verliehen ihr eine vorher kaum gekannte Monumentalität.
Tempelanlage von Baalbek | © hugy - Fotolia.com
Zunächst wurde ein überdimensionaler Tempel für Jupiter Heliopolitanus errichtet. Im zweiten Jahrhundert n. Chr. ließen die Römer einen weiteren Tempel in Heliopolis entstehen, der später Bacchus-Tempel genannt wurde. Etwa 100 Jahre danach bauten sie einen dritten Tempel, der den Namen Venus-Tempel erhielt. 663 n. Chr. eroberten die Araber die Region zurück und nannten die Stadt auf dem Hügel Baalbek. Im 10. Jahrhundert wurde ein Teil der Tempelanlage durch ein Erdbeben zerstört. Während des Frühmittelalters gestalteten die herrschenden Sultane die noch vorhandenen Reste der Tempelanlagen zu einer großen Burganlage um. Die Feste diente ihnen als Schutz vor den Kreuzfahrern. Sie fiel jedoch, als Baalbek 1517 von den Osmanen erobert wurde. Wiederholte Erdbeben im 17. Jahrhundert verwüsteten weitere Teile der bis dahin noch vorhandenen Tempelanlage.
Sonnentempel von Baalbek
Heute ist die antike Tempelanlage von Baalbek nur noch eine Ruinenstadt. Doch obwohl die noch vorhandenen Reste des Heiligtums den Besuchern nur einen schwachen Eindruck von der einstigen Pracht und Kolossalität vermitteln, ist der Sonnentempel von Baalbek, gemeinsam mit den Resten der benachbarten Tempel, heute eine der größten und ausgedehntesten noch erhaltenen Tempelanlagen überhaupt. 1984 wurde die Tempelstadt Baalbek zum Weltkulturerbe erklärt. Der große Sonnentempel hatte eine Höhe von 88 Metern und besaß 58 korinthische Säulen.
Bacchus-Tempel | © Logolia - Fotolia.com
Das Wahrzeichen von Baalbek sind die noch vorhandenen Reste des Jupitertempels, von dessen ursprünglich 42 Säulen noch sechs, von je 5 Meter Umfang, erhalten sind. Sie stehen auf einem mächtigen Mauersockel, der zur Südseite des Tempels gehörte. An der Nordseite befinden sich noch vier kleinere Säulen, die hier das Ende des Tempels markieren. Der Jupitertempel ist über eine Treppe, die auf ein sieben Meter höheres Niveau führt, zu erreichen.
Bacchus-Tempel
Der Bacchus-Tempel ist noch fast vollständig erhalten. Er ist zwar wesentlich kleiner als der Jupitertempel, aber trotzdem noch größer als die Akropolis in Athen. Auch der Venus-Tempel, der ein kleiner Rundtempel ist, konnte bei Ausgrabungen wieder freigelegt werden. Zu den Besonderheiten der Baalbeker Tempelstadt gehört, dass sie zum Teil auf einer riesigen überdimensionalen Terrasse steht, deren Entstehungsdatum soweit zurückliegt, dass es nicht mehr festgestellt werden kann. Sie umfasst mehr als 30 Prozent der gesamten Fläche der antiken Stadt und besteht aus Bausteinen von gigantischer Größe. Dass diese Steine aus einem Steinbruch in die Stadt transportiert werden mussten, was eine unglaubliche Leistung war, ließ die Legende entstehen, diese Terrasse wäre nicht von Wesen dieser Welt erschaffen worden.