Norias - Die Wasserräder von Hama
Wer Hama besucht, geht zurück an die Wiege der Menschheit und erlebt eine der ältesten Städte Syriens, in einem der ältesten Siedlungsgebiete des Mittleren Ostens. Hama liegt am Fluss Orontes in Mittelsyrien und ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten von Hama, für die es besonders berühmt ist, sind die so genannten Norias, die größten Wasserräder der Welt. Das markante Geräusch der moosbewachsenen hölzernen Räder wird wahlweise als "Knarren", "Singen" oder "Jaulen" bezeichnet, so oder so ist es deutlich zu hören und wird als das akustische Markenzeichen der Stadt gehandelt. Jeder, der das Geräusch einmal erlebt hat, beschreibt es als unvergesslich. Die Räder schöpfen seit Jahrhunderten das Wasser des Orontes, eines 400 km langen Flusses, dessen Quelle im Libanongebirge entspringt und der entscheidend für die Ansiedlung von Menschen in der Gegend und die Entwicklung von Hama war.
Zeugnisse der ersten Bewässerungssysteme
Das Wasser des Orontes wurde mit dem mechanischen Verfahren der Räder ganz ohne menschlichen Kraftaufwand vom tiefer gelegenen Fluss über Höhenunterschiede von bis zu 30 Metern auf Aquädukte und in Leitungen gehoben und geleitet. Diese dienten dazu die Gärten vom Hama zu bewässern und den trockenen Boden zu fruchtbarem Ackerland zu machen, aber auch um die Häuser direkt mit Wasser zu versorgen. Erstmals wurden die Norias im 5. Jahrhundert von den Byzantinern gebaut und sind somit Zeugnisse der ersten Bewässerungssysteme und den Anfängen der Ingenieurskunst. Die Norias, die man heute sehen kann, dienen allerdings nur noch als touristische Hauptattraktion und stammen aus dem 13. Jahrhundert.
Wasserräder von Hama | © pascal bierret - Fotolia.com
Insgesamt 100 Norias gab es wohl in der Gegend von Hama und 17 dieser großen Holzkonstruktionen laufen noch. Um den Anblick in Ruhe zu genießen und in sich auf zu nehmen lohnt sich ein Besuch in einem der zahlreichen Caf�s und Restaurants am Ufer des Orontes, mit Blick auf die uralten Wasserräder. Wer sicher gehen möchte, dass die Räder auch laufen, sollte Hama nicht besuchen, wenn der Staudamm von Homs gerade gefüllt wird, denn dann stehen die Norias still.
Geschichte von Hama
Die Stadt Hama selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück, schließlich gibt es sie seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. und ist durch die unterschiedlichen Kulturen geprägt, die hier während der jeweiligen Herrschaft ihre Spuren hinterlassen haben. Hethiter, Aramäer und Assyrer wurden von Griechen und Römern abgelöst und auch im Mittelalter blieb sie umstritten. Muslimische Araber und Kreuzritter kämpften um Hama, das sich im Hoch- und Spätmittelalter zu einem bedeutenden Handelszentrum entwickelte. Ab 1516 hatten die Osmanen die Macht über Hama und bis auf eine kurze Episode der ägyptischen Herrschaft im 19. Jahrhundert blieb das bis zum Ersten Weltkrieg so. Heute leben in der Stadt mit ca. 35.000 Einwohnern besonders viele syrische Kurden. Hama hat neben den weltberühmten Wasserrädern auch zahlreiche Gebäude aus der osmanischen Zeit und dem islamischen Mittelalter zu bieten. Dem Stadtpalais Quasr al-Azm sollte man unbedingt einen Besuch abstatten, es ist der älteste erhaltene Gouverneurspalast aus Osmanischer Zeit in Syrien.