Sidon
Sidon, auch Saida genannt, ist die viertgrößte Stadt des Libanon. Sie liegt am Mittelmeer, etwa 40 Kilometer südlich der Hauptstadt Beirut. Die Provinzhauptstadt des Südlibanon hat mehr als 200.000 Einwohner. Am Rande der bereits in der Bibel erwähnten Stadt befindet sich zudem das palästinensische Flüchtlingslager Ain al-Halweh - dort leben rund 100.000 Palästinenser. Ihre Vorfahren kamen während des israelischen Unabhängigkeitskrieges, der im Jahr 1947 begann, aus dem früheren britischen Mandatsgebiet Palästina in den Libanon. Zum einen wurden sie von Israelis vertrieben, zum anderen flohen sie vor den Raketen der arabischen Staaten, die Israel angegriffen hatten. Bis auf Jordanien hat bis heute kein arabisches Land den Palästinensern die Staatsbürgerschaft angeboten. Bis heute besteht die Palästinenserführung in den Autonomiegebieten auf ein "Recht auf Rückkehr für die Flüchtlinge".
Altstadt und Suk von Sidon
Die einstige Phönizierstadt Sidon bietet zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Dazu gehört unter anderem die Altstadt. Diese lässt sich am besten zu Fuß erkunden, da es in den engen, verwinkelten Gassen keinen Platz für Autos gibt. Im Suk, dem geschäftigen Einkaufsviertel, bieten Verkäufer in zahlreichen kleinen Läden ihre Waren feil - von an Haken baumelnden ganzen Fleischhälften, über Unterwäsche, Goldschmuck und Souvenirs.
Hamam al-Ward und Khan El Franj
Lohnenswert ist auch ein Besuch im Hamam al-Ward, einem arabischen Bad aus dem Jahr 1730. Es befindet sich in der Nähe der Al-Omari-Moschee. Diese war ursprünglich eine von den Johanniterrittern erbaute Kreuzfahrerkirche, von den Mameluken wurde das festungsartige Gebäude im 13. Jahrhundert zum muslimischen Gotteshaus umgebaut. Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten gehört die aus dem 17. Jahrhundert stammende Französische Karawanserei, Khan El Franj. Die sehr gut erhaltene Anlage beherbergte einst durchreisende Kaufleute mit ihren Waren. Interessant ist auch ein Besuch im kleinen Seifenmuseum. Dort wird über die Geschichte der Seifenherstellung in der Region informiert, unter anderem auch über die traditionelle Herstellung von Olivenseife. Das Museum befindet sich in einer alten Seifenfabrik aus dem 17. Jahrhundert, Reste des Gebäudes datieren bis ins 13. Jahrhundert zurück.
Wasserburg der Kreuzritter in Sidon | © iStockphoto.com/dkaranouh
Murex Hill und die Wasserburg
Sehenswert in Sidon ist außerdem "Murex Hill". Die etwa 100 Meter hohe und 50 Meter lange Aufschüttung besteht aus den Abfällen der "Murexmuscheln". Diese waren im Altertum zur Gewinnung der Farbe Purpur notwendig. Unweit des Hügels befindet sich das Ludwigskastell, Qalaat EI Muizz genannt. Diese Burg ließ König Ludwig der Heilige im 13. Jahrhundert auf der Ruine einer Festung des Fatimidenherrschers Al Muizz erbauen. Wahrzeichen der Stadt ist die Anfang des 13. Jahrhunderts von den Kreuzrittern auf römischen Fundamenten erbaute Wasserburg. Sie ist durch eine Mole mit dem Festland verbunden. Von hier aus bietet sich dem Betrachter ein schöner und weitläufiger Blick auf den Hafen und die Stadt.
Zu empfehlen ist außerdem ein Besuch des im 6. Jahrhundert vor Christus erbauten Echmoun-Heiligtums. Die Tempelanlage befindet sich etwa einen Kilometer von Sidon entfernt auf einem Stück Land namens "Bustan Al Scheich", Garten des Scheichs, im Tal des Flusses Awali. Geweiht ist sie dem phönizischen Heilgott Echmoun. Dieser war auch Stadtgott des antiken Sidon. Die Anlage ist die am besten erhaltene phönizische Stätte des Libanon - durch ihre Lage außerhalb des Stadtgebietes wurde sie von Überbauungen verschont.